München:

Deutschlands Gasspeicher drohen ihr Winterziel zu verfehlen – Bayern besonders im Blick

Aiwanger fordert zum Handeln auf: „Wenn die Gasspeicher nicht ausreichend gefüllt sind, muss der Bund eingreifen“

Bayerns Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger warnt vor einer wachsenden Lücke bei der Befüllung der deutschen Gasspeicher für den Winter 2026/27. Bundesweit fehlen aktuell noch etwa 50 Terawattstunden (TWh), um das vorgesehene Speicherziel zum 1. November von durchschnittlich rund 70 Prozent zu erreichen. „Wir dürfen beim Gas nicht sehenden Auges in eine Versorgungslücke laufen. Jetzt muss die Einspeicherung deutlich an Fahrt aufnehmen“, fordert Aiwanger den Bund zum Handeln auf.   Der Staatsminister hat sich deshalb erneut mit einem Schreiben an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche gewandt und fordert den Bund auf, die Wintervorsorge jetzt konsequent zu verfolgen und konkrete Maßnahmen für den Fall einer ausbleibenden Trendwende vorzubereiten.

Aiwanger unterstützt die Einschätzung der Bundesnetzagentur, die die aktuell historisch niedrigen Füllstände bestätigt hat. Grundsätzlich müsse die Speicherbefüllung über den Markt funktionieren. Die Speicherkunden hätten Kapazitäten gebucht – jetzt müssten diese auch genutzt werden.   Derzeit sind zwar knapp 80 Prozent der Speicher-Kapazitäten durch Gashändler gebucht. Die Befüllung findet jedoch nicht statt, weil die wirtschaftlichen Anreize für die Einspeicherung fehlen. Die geringe Preisdifferenz zwischen den Sommer- und Wintermonaten macht es für Marktakteure weniger attraktiv, Gas jetzt einzulagern. „Theorie und Praxis klaffen derzeit zu weit auseinander“, erklärt Aiwanger.   Gleichzeitig steigt die internationale Nachfrage nach Flüssigerdgas (LNG), insbesondere aus Asien. Zwar schaffen die deutschen LNG-Terminals zusätzliche Flexibilität. Sie ersetzen aber nicht die Notwendigkeit, rechtzeitig ausreichende Vorräte in den Speichern aufzubauen.   Aiwanger: „Gasversorgung ist keine Schönwetterveranstaltung. Wir müssen jetzt vorsorgen, solange noch Zeit ist. Der Bund muss die Entwicklung engmaschig beobachten und jederzeit in der Lage sein, gegenzusteuern, wenn die Einspeicherung nicht schnell genug vorankommt. Wir wollen keine unnötigen Eingriffe in den Markt. Aber wenn sich eine Versorgungslücke abzeichnet, darf der Staat nicht erst reagieren, wenn der Winter vor der Tür steht.“   Für Bayern ist nach Ansicht Aiwangers ein Blick auf den bundesweiten Durchschnitt nicht ausreichend. Entscheidend seien auch die regionale Verteilung der Gasvorräte und die verfügbare Ausspeicherleistung. Gerade die bayerischen Speicher weisen derzeit vergleichsweise niedrige Füllstände auf.   Dabei müsse allerdings das gesamte europäische Gasnetz betrachtet werden. Speicher wirken überregional und grenzüberschreitend. Für die Versorgung Bayerns spielen auch die österreichischen Speicher Haidach und 7Fields eine wichtige Rolle, da sie direkt an das deutsche Fernleitungsnetz angebunden sind.   „Entscheidend ist nicht die deutsche Gesamtsicht. Entscheidend ist, ob das Gas im Winter dort aus dem Speicher kommt, wo es gebraucht wird. Gerade für Bayern müssen deshalb Füllstand, Speicherstandorte und Ausspeicherleistung gemeinsam betrachtet werden“, erklärt Aiwanger. „Wir haben in den vergangenen Jahren erlebt, wie schnell sich die Lage auf den Energiemärkten verändern kann. Wer im Sommer zu wenig vorsorgt, kann im Winter nicht einfach auf einen Knopf drücken und Gas herbeizaubern.“   Der Minister begrüßt zugleich die Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Reiche für eine Nationale Gasreserve. Für den kommenden Winter 2026/27 kommt dieses Instrument allerdings noch zu spät. „Die nationale Gasreserve kann künftig ein zusätzlicher Sicherheitsanker sein. Für den Winter, der jetzt vor uns liegt, brauchen wir aber andere Instrumente. Das Gas für den nächsten Winter muss jetzt in die Speicher.“

Quelle:stmwi.bayern.de

Von redaktion