Berlin:
Krise von nationaler Tragweite in Land- und Forstwirtschaft – Erntezahlen allein bilden Gesamtlage nicht ab
• Multifaktorielle Herausforderungen treffen Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei
• Ernte 2026 mit regional starken Schwankungen
• BMLEH stärkt Betriebe mit Liquiditätsrahmen
• Ernährungssicherung am Standort Deutschland
Der Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer, hat heute den amtlichen Erntebericht vorgestellt und Maßnahmen für die Liquiditätssicherung der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe sowie der Fischereiwirtschaft in Deutschland angekündigt.
In einigen Regionen Deutschlands haben Trockenheit und Hitze deutliche, teils verheerende Spuren auf den Feldern hinterlassen:
• Mit rund 37,4 Millionen Tonnen geht die Erntemenge beim Getreide in diesem Jahr um 7,3 Prozent gegenüber dem guten Vorjahr deutlich zurück.
• Bei der wichtigsten Getreidekultur, dem Winterweizen, liegt die Erntemenge voraussichtlich 10,4 Prozent unter dem Vorjahr!
• Ähnlich ist die Lage beim Winterraps: Hier wird mit einer unterdurchschnittlichen Erntemenge, minus 11,5 Prozent unter dem Wert von 2025 gerechnet.
• Für späte Kulturen (Zuckerrüben, Körnermais, Kartoffeln, Hopfen etc. sowie Futterbau mit Grünland und Silomais) ist die Ernte im September noch nicht abgeschlossen – vorläufige Schätzungen lassen aber hohe Ertragsverluste in vielen Regionen befürchten.
• Besonders hart hat es zum Beispiel den Mais im Süden und Südwesten getroffen. Dort ist er vielerorts kaum gewachsen, teilweise haben die Pflanzen nicht einmal Kolben ausgebildet.
• Auch bei der Getreide-Ernte insgesamt muss der Süden starke Verluste hinnehmen: In Bayern liegt die Ernte mit minus 8,6 Prozent deutlich unter dem mehrjährigen Durchschnitt.
• In Mecklenburg-Vorpommern, dem größten Rapsanbauland, werden die Hektarerträge, vor allem durch Insektenschäden, voraussichtlich rund 25 Prozent unter dem mehrjährigen Durchschnitt liegen.
• Extrem angespannt ist die Lage auch beim Futter: Im Süden und Südwesten ist auf vielen Wiesen nach dem ersten Schnitt kaum noch Gras nachgewachsen. Viele Betriebe mussten deshalb schon im Sommer an ihre Futterreserven gehen.
• Das macht sich auch bei den Preisen bemerkbar: Heu hat sich allein im August bundesweit um 17 Prozent verteuert.
Die Bilanz nach der Ernte zeigt aber auch deutlich, dass die Landwirtschaft viele Risiken gleichzeitig tragen muss: Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Nahost-Krise haben zu weltweiten Verwerfungen geführt. Das betrifft die Energie- und Düngemittelmärkte, Lieferketten sind eingeschränkt oder blockiert worden, die Produktionskosten steigen dadurch während gleichzeitig vielfach die Erzeugerpreise sinken – etwa beim Schweinefleisch. Jede dieser Belastungen wäre für sich genommen schon eine Herausforderung. In ihrer Summe und Gleichzeitigkeit setzen sie viele Betriebe massiv unter Druck.
Bundesminister Rainer: „Wer Tag für Tag unsere Ernährung sichert und für unsere Kulturlandschaft arbeitet, muss sich darauf verlassen können, dass wir ihn in einer solchen Lage nicht alleinlassen. Unser Erntebericht zeigt Licht und Schatten mit regional großen Unterschieden, aber die Erntezahlen allein erzählen nicht die ganze Geschichte. Sie dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, wie ernst die Lage auf vielen Höfen tatsächlich ist. Meine Bewertung ist eindeutig: Wir haben es mit einer Krise von nationaler Tragweite zu tun. Es geht nicht darum, jede Ertragsschwankung staatlich auszugleichen. Wenn aber die Substanz unserer Betriebe und damit Produktionskapazitäten dauerhaft gefährdet sind, dann dürfen wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Daran hängen regionale Wertschöpfung, Arbeitsplätze im ländlichen Raum und auch unsere Versorgungssicherheit in Deutschland. Eine solche Lage verlangt nach einer kraftvollen Antwort, damit unsere Betriebe handlungsfähig und liquide bleiben. Wir wollen einen Liquiditätsrahmen, der insgesamt rund eine Milliarde Euro umfasst, auflegen. Wir müssen jetzt handeln, bevor aus der akuten Krise ein dauerhafter Strukturbruch wird, gewachsene Strukturen und damit eine Stück Heimat verloren gehen. Deshalb will ich den Betrieben schnellstmöglich die notwendige Liquidität verschaffen, damit sie Betriebs- und Futtermittel beschaffen, handlungsfähig bleiben und vor allem die Ernte 2027 sicherstellen können. Denn am Ende geht es dabei auch um die Ernährungssicherheit in Deutschland.“
Die multifaktorielle Krise macht eine weitere Unterstützung durch den Bund notwendig. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) hat in dieser multifaktoriellen Krise ein Liquiditätsrahmen aufgesetzt:
Liquiditätsprogramm 1
Das bestehende Liquiditätshilfeprogramm mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank wird um 300 Millionen Euro auf ein Darlehensvolumen von insgesamt 500 Millionen Euro aufgestockt. Die Darlehen stehen unbürokratisch und schnell zur Verfügung – ohne Nachweis von Notlage und Verwendung.
Liquiditätsprogramm 2
Das BMLEH ist mit dem Bundesministerium für Finanzen in der Abstimmung, um schnellstmöglich ein zweites Liquiditätsprogramm über die Landwirtschaftliche Rentenbank aufzusetzen. Dieses Programm soll ebenfalls schlank ausgestaltet sein und möglichst zeitnah an den Start gehen – mit deutlich stärker gesenkten Zinsen und längeren Laufzeiten.
Dünger- und Energie-Krisenpaket
Das BMLEH wird die EU-Düngemittelhilfen in Höhe von 60 Millionen Euro als Hektarprämien zielgenau den Betrieben zur Verfügung stellen, bei denen Kosten für Dünger oder Diesel stark gestiegen sind – unbürokratisch und ohne kompliziertes Antragsverfahren.
Risikoausgleichsrücklage einführen
Die Folgen des Klimawandels sind für die Landwirtschaft längst Realität: Dürre, Hitze, Starkregen und andere Wetterextreme treten häufiger auf und führen zu immer stärkeren Schwankungen bei Erträgen und Einkommen. Die Betriebe brauchen deshalb ein wirksames Instrument, um in guten Jahren steuerfrei Vorsorge für Krisenjahre treffen zu können. Das BMLEH steht hierzu im Austausch mit dem Bundesministerium für Finanzen und setzt sich für die Einführung einer steuerlichen Risikoausgleichsrücklage ein. Angesichts der veränderten klimatischen Bedingungen brauchen wir dieses Instrument jetzt.
Gewinnglättung über 2028 hinaus
Um stark schwankende landwirtschaftliche Einkommen auszugleichen, strebt das BMLEH eine Verstetigung der sogenannten Gewinnglättung an. Auch hierzu laufen Gespräche mit dem Bundesministerium der Finanzen.
Mehrgefahrenversicherung über die GAK fördern
Betriebe müssen sich besser gegen unterschiedliche Wetterrisiken absichern können. Das BMLEH will zum Aufbau einer flächendeckenden Absicherung gegen Wetterextreme wie Dürre, Frost oder Starkregen beitragen. Dafür soll im Austausch mit den Bundesländern eine Förderung von Mehrgefahrenversicherungen über die GAK ermöglicht werden.
Wälder mit Mitteln aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) stärken
Klimaveränderungen, Trockenheit und zunehmende Waldbrände setzen unsere Wälder immer stärker unter Druck. Das BMLEH setzt sich dafür ein, dass die vorhandenen Bundesmittel von bis zu 100 Millionen Euro für die Wälder in Deutschland vollständig mobilisiert werden, um in Waldumbau und Waldschutz zu investieren. Wir müssen den Waldumbau hin zu klimaresilienten Wäldern beschleunigen und gleichzeitig Waldschutz und Prävention stärken.
Unterstützung für die Fischerei
Wegen der stark gestiegenen Energiekosten ist die Fischerei besonders betroffen. Deshalb stellt das BMLEH für Fischereibetriebe bis zu 4,5 Millionen Euro bereit – sie konnten vom Tankrabatt nicht profitieren. Von März bis Juli 2026 werden 21 Cent pro Liter Diesel erstattet. Geplant ist zudem eine sogenannte Referenzflotte: Fischer können im Auftrag des BMLEH Daten erheben – und werden für diese Leistung vergütet. Dafür stehen in den kommenden drei Jahren bis zu drei Millionen Euro bereit. Das schafft neue Einkommensmöglichkeiten für die Fischerei.
Sie können den gesamten Erntebericht 2026 hier<https://www.bmleh.de/goto?id=131030> abrufen.
Quelle:bmleh.bund.de
