{"id":15196,"date":"2022-09-06T08:34:38","date_gmt":"2022-09-06T06:34:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.frankensicht.de\/?p=15196"},"modified":"2022-09-06T08:34:38","modified_gmt":"2022-09-06T06:34:38","slug":"15196","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.frankensicht.de\/?p=15196","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #ff0000;\">Berlin:<\/span><\/p>\n<p>Stresstest zum Stromsystem: BMWK st\u00e4rkt Vorsorge zur Sicherung der Stromnetz-Stabilit\u00e4t im Winter<br \/>\n22\/23<br \/>\nHabeck \u201eWir tun alles, was n\u00f6tig ist &#8211; Einsatzreserve f\u00fcr Atomkraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim<br \/>\nwird eines von mehreren Elementen\u201c<\/p>\n<p>Die vier deutschen \u00dcbertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW haben heute<br \/>\ndie Ergebnisse des zweiten Netzstresstests (zweite Sonderanalyse Winter 22\/23) vorgelegt. Sie<br \/>\nhatten im Auftrag des Bundesministeriums f\u00fcr Wirtschaft und Klimaschutz von Mitte Juli bis Anfang<br \/>\nSeptember 2022 in einer Sonderanalyse die Sicherheit des Stromnetzes f\u00fcr diesen Winter unter<br \/>\nversch\u00e4rften \u00e4u\u00dferen Bedingungen untersucht. Anlass daf\u00fcr war, dass aufgrund der D\u00fcrre im Sommer,<br \/>\ndes Niedrigwassers in den Fl\u00fcssen, des aktuellen Ausfalls rund der H\u00e4lfte der franz\u00f6sischen<br \/>\nAtomkraftwerke und der seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine insgesamt angespannten<br \/>\nLage auf den Energiem\u00e4rkten eine Reihe von Unsicherheitsfaktoren bestehen, die unter bestimmten<br \/>\nUmst\u00e4nden zu einer Kumulation von Risiken f\u00fchren. Der zweite Stresstest untersucht daher<br \/>\nverschiedene Szenarien und nimmt die Netzsituation in den Blick, insbesondere auch das<br \/>\nZusammenspiel mit den europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4ndern, da die Situation Deutschlands durch die<br \/>\ngeographische Lage und die Verbindungsleitungen zu elf europ\u00e4ischen L\u00e4ndern besonders von der<br \/>\nEntwicklung in Europa abh\u00e4ngt.<br \/>\nDer zweite Netzstresstest kommt zu dem Ergebnis, dass stundenweise krisenhafte Situationen im<br \/>\nStromsystem im Winter 22\/23 zwar sehr unwahrscheinlich sind, aktuell aber nicht vollst\u00e4ndig<br \/>\nausgeschlossen werden k\u00f6nnen. Daher werden eine Reihe zus\u00e4tzlicher Ma\u00dfnahmen empfohlen, damit es<br \/>\nauch in diesen sehr unwahrscheinlichen Szenarien nicht zu einer kurzzeitigen Lastunterdeckung oder<br \/>\nStromausf\u00e4llen aufgrund von Netz-Stresssituationen kommt. Die im Stresstest empfohlen Ma\u00dfnahmen<br \/>\nsind zum Teil bereits umgesetzt oder in Umsetzung, z.B. die Nutzung von Kraftwerksreserven und die<br \/>\nMarktr\u00fcckkehr von Kohlekraftwerken. Weitere Ma\u00dfnahmen sind in der unmittelbaren Vorbereitung und<br \/>\nwerden mit einer dritten Novelle des Energiesicherungsgesetzes (EnSiG 3.0) umgesetzt, u.a. die<br \/>\nzus\u00e4tzliche Stromproduktion in Biogasanlagen sowie Ma\u00dfnahmen zur H\u00f6herauslastung der<br \/>\nStromnetze\/Verbesserung der Transportkapazit\u00e4ten.<br \/>\nBundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck erkl\u00e4rte zu den Ergebnissen: \u201eWir haben in<br \/>\nDeutschland eine sehr hohe Versorgungssicherheit im Stromsystem. Wir haben genug Energie in und f\u00fcr<br \/>\nDeutschland; wir sind ein Stromexportland. Aber wir sind Teil eines europ\u00e4ischen Systems, und<br \/>\ndieses Jahr ist in ganz Europa ein besonderes Jahr. Der russische Angriff auf die Ukraine hat zu<br \/>\neiner angespannten Situation auf den Energiem\u00e4rkten gef\u00fchrt, und wir setzen alles daran, eine<br \/>\nGasmangellage zu vermeiden. In Frankreich f\u00e4llt derzeit rund die H\u00e4lfte der Atomkraftwerke aus. Die<br \/>\nD\u00fcrre im Sommer hat die Wasserst\u00e4nde in Fl\u00fcssen und Seen reduziert, was die Wasserkraft in<br \/>\nNachbarl\u00e4ndern schw\u00e4cht und auch bei uns den Transport von Kohle zu den Kraftwerken erschwert, die<br \/>\nwir aufgrund der angespannten Gaslage nutzen m\u00fcssen. Und der Ausbau der erneuerbaren Energien sowie<br \/>\nder Stromnetzausbau wurden in den letzten Jahren stark gebremst, besonders negativ macht sich das<br \/>\nim S\u00fcden unseres Landes bemerkbar. Die gro\u00dfen Krisen &#8211; Krieg und Klimakrisen &#8211; wirken sich sehr<br \/>\nkonkret aus. Wir haben also eine Reihe von Unsicherheitsfaktoren, und der Sommer hat das mit der<br \/>\nTrockenheit noch mal deutlich versch\u00e4rft. Unter bestimmten Umst\u00e4nden und in ganz bestimmten<br \/>\nSituationen k\u00f6nnen sich diese Risiken b\u00fcndeln. Wegen all dieser Risiken k\u00f6nnen wir nicht sicher<br \/>\ndarauf bauen, dass bei Netzengp\u00e4ssen in unseren Nachbarl\u00e4ndern genug Kraftwerke zur Verf\u00fcgung<br \/>\nstehen, die kurzfristig unser Stromnetz mit stabilisieren,\u201c sagte Habeck.<br \/>\nEr betonte: \u201eEs ist weiterhin sehr unwahrscheinlich, dass es zu Krisensituationen und<br \/>\nExtremszenarien kommen wird. Aber als Minister, der f\u00fcr die Versorgungssicherheit zust\u00e4ndig ist,<br \/>\ntue ich alles, was n\u00f6tig ist, um die Versorgungssicherheit vollumf\u00e4nglich zu gew\u00e4hrleisten. Daher<br \/>\nhaben wir etliche Ma\u00dfnahmen, die der Stresstest als notwendig erachtet, bereits in der Umsetzung,<br \/>\nwie beispielsweise die Marktr\u00fcckkehr der Kohlekraftwerke. Andere Ma\u00dfnahmen im Netzbereich, wie vor<br \/>\nallem die Verbesserung der Transportkapazit\u00e4ten im Stromnetz, werden wir mit einer dritten<br \/>\nEnSiG-Novelle l\u00f6sen und noch diese Woche die Abstimmungen hierzu starten.\u201c<br \/>\nDer Minister erkl\u00e4rte: \u201eDie Ergebnisse des Stresstests bedeuten aber auch, dass wir zur Absicherung<br \/>\nf\u00fcr den Notfall f\u00fcr den Winter 22\/23 eine neue zeitlich und inhaltlich begrenzte AKW-Einsatzreserve<br \/>\naus den beiden s\u00fcdlichen Atomkraftwerken Isar 2 und Neckarwestheim schaffen. Die beiden AKW Isar 2<br \/>\nund Neckarwestheim sollen bis Mitte April 2023 noch zur Verf\u00fcgung stehen, um falls n\u00f6tig, \u00fcber den<br \/>\nWinter einen zus\u00e4tzlichen Beitrag im Stromnetz in S\u00fcddeutschland 2022\/23 leisten zu k\u00f6nnen. Das<br \/>\nhei\u00dft auch: Alle drei derzeit in Deutschland noch am Netz befindlichen Atomkraftwerke werden<br \/>\nplanm\u00e4\u00dfig Ende 2022 regul\u00e4r vom Netz gehen. Am Atomausstieg, wie er im Atomgesetz geregelt ist,<br \/>\nhalten wir fest. Neue Brennelemente werden nicht geladen und Mitte April 2023 ist auch f\u00fcr die<br \/>\nReserve Schluss. Die Atomkraft ist und bleibt eine Hochrisikotechnologie und die hochradioaktiven<br \/>\nAbf\u00e4lle belasten zig nachfolgende Generationen. Mit der Atomkraft ist nicht zu spielen. Eine<br \/>\npauschale Laufzeitverl\u00e4ngerung w\u00e4re daher auch im Hinblick auf den Sicherheitszustand der<br \/>\nAtomkraftwerke nicht vertretbar. Mit der Einsatzreserve tragen wir den Risiken der Atom-Technologie<br \/>\nund der Sondersituation im Winter 22\/23 Rechnung. So k\u00f6nnen wir im Fall der F\u00e4lle agieren. Die AKW-<br \/>\nEinsatzreserve ist eine zielgenaue Antwort.\u201c<br \/>\nHabeck hob hervor: \u201eDie Situation im Stromsystem in diesem Winter ist nicht mit der im Winter<br \/>\n2023\/24 zu vergleichen. F\u00fcr das n\u00e4chste Jahr werden die Grundbedingungen andere sein, weil durch<br \/>\ndie l\u00e4ngere Vorlaufzeit bereits beschlossene Ma\u00dfnahmen st\u00e4rker wirken und noch weitere umgesetzt<br \/>\nwerden k\u00f6nnen. Wir erh\u00f6hen die Gas-Importkapazit\u00e4t \u00fcber schwimmende LNG-Terminals (FSRU) zum Winter<br \/>\n23\/24 so stark, dass keine Gasmangellage an den Gaskraftwerken mehr zu bef\u00fcrchten ist. Wir steigern<br \/>\nbis dahin die Verf\u00fcgbarkeit von Strom aus Biogas-Anlagen und aus Erneuerbaren-Anlagen. Das Gleiche<br \/>\ngilt f\u00fcr die Leistungsf\u00e4higkeit der Stromnetze, die Kraftwerkskapazit\u00e4ten und flexible Lasten.<br \/>\nDamit werden bis 2023\/24 die Unsicherheitsfaktoren dieses Winters deutlich reduziert und die<br \/>\nVersorgungslage verbessert.\u201c<br \/>\nN\u00e4her zum Stresstest:<br \/>\nDer zweite Stresstest wurde von den vier \u00dcbertragungsnetzbetreibern im Zeitraum von Mitte Juli bis<br \/>\nAnfang September 2022 durchgef\u00fchrt. Im Vergleich zur ersten Sonderanalyse (M\u00e4rz bis Mai 2022)<br \/>\nwurden die Annahmen zu den Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine auf den<br \/>\nEnergiemarkt aus Vorsorgegr\u00fcnden deutlich versch\u00e4rft und stufenweise hochskaliert. Zus\u00e4tzlich<br \/>\nber\u00fccksichtigen die Berechnungen weitere m\u00f6gliche Engp\u00e4sse in der Kraftwerksverf\u00fcgbarkeit.<br \/>\nDie Analyse umfasst drei kritische Szenarien (kritisches Szenario +, sehr kritisches Szenario ++<br \/>\nund Extremszenario +++), die deutlich von den Referenzszenarien aus den gesetzlich vorgeschriebenen<br \/>\nAnalysen zur Stromversorgungssicherheit von Ende April 2022 abweichen. Auch im Vergleich zum ersten<br \/>\nStresstest vom Mai 2022 wurden die Annahmen zur Kraftwerksverf\u00fcgbarkeit und zu Brennstoffpreisen<br \/>\nnoch einmal deutlich versch\u00e4rft und je nach Szenario hochskaliert. Damit liegen der Gesamtbewertung<br \/>\nf\u00fcr die Stromversorgungssituation insgesamt f\u00fcnf Szenarien zugrunde \u2013 von Basisszenario der<br \/>\ngesetzlich vorgeschriebenen Bedarfsanalyse bis hin zum Extremszenario in diesem zweiten Stresstest.<br \/>\nF\u00fcr die drei Szenarien des zweiten Stresstests wurden in Stufen m\u00f6gliche Auswirkungen einer<br \/>\nunterschiedlich kritischen Lage auf den Energiem\u00e4rkten auf den Stromsektor in Deutschland und<br \/>\nEuropa untersucht. In der neuen Berechnung wurden u.a. folgende Annahmen zugrunde gelegt: Ein<br \/>\ngro\u00dfer Teil der franz\u00f6sischen Atomkraftwerke kehrt nicht bis zum Winter an den Markt zur\u00fcck. Im<br \/>\nExtremszenario (+++) steht nur die Leistung von knapp zwei Drittel der franz\u00f6sischen Atomkraftwerke<br \/>\nzur Verf\u00fcgung. Nur ein Teil der m\u00f6glichen Kraftwerke kehrt nach dem<br \/>\nErsatzkraftwerkebereithaltungsgesetz an den Markt zur\u00fcck &#8211; je nach Szenario in unterschiedlichem<br \/>\nAusma\u00df. Das Niedrigwasser in den Fl\u00fcssen schr\u00e4nkt Steinkohlelieferungen weiter ein. Die<br \/>\nSteinkohlekraftwerke k\u00f6nnen also auch bei Verbrauchsspitzen deutlich weniger Strom produzieren, im<br \/>\nExtremszenario am wenigsten. Ein Viertel (+) bis die H\u00e4lfte (+++) der Kraftwerksleistung der<br \/>\nNetzreserve ist nicht betriebsbereit. Im kritischen Szenario ist ein Viertel der Gaskraftwerke in<br \/>\nS\u00fcddeutschland nicht verf\u00fcgbar, im Extremszenario sogar die H\u00e4lfte. Die Stromnachfrage von<br \/>\nHeizl\u00fcftern erh\u00f6ht die Verbrauchsspitzen im Gigawatt-Bereich.<br \/>\nDer Gaspreis als Eingangsgr\u00f6\u00dfe der Berechnungen wurde in allen drei Szenarien einheitlich auf 300<br \/>\nEUR\/MWh erh\u00f6ht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.frankensicht.de\/?attachment_id=12585\" rel=\"attachment wp-att-12585\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12585\" src=\"https:\/\/www.frankensicht.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/schildkroeten-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.frankensicht.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/schildkroeten-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.frankensicht.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/schildkroeten.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der zweite Stresstest zeigt im Ergebnis: Eine stundenweise krisenhafte Situation im Stromsystem im<br \/>\nWinter 22\/23 ist zwar sehr unwahrscheinlich, kann aktuell aber nicht vollst\u00e4ndig ausgeschlossen<br \/>\nwerden. Damit es aber im kommenden Winter zu keinerlei Lastunterdeckungen oder Stromausf\u00e4llen<br \/>\naufgrund von Netz-Stresssituationen kommt, sind zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen zur St\u00e4rkung der<br \/>\nNetzsicherheit n\u00f6tig.<br \/>\nKonkret zeigen die Ergebnisse der Berechnungen, dass in einigen Regionen des europ\u00e4ischen<br \/>\nStrommarktes in einigen Szenarien die Nachfrage ohne zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen nicht vollst\u00e4ndig<br \/>\ngedeckt werden kann. Im sehr kritischen Szenario (++) und dem Extremszenario (+++) treten solche<br \/>\nSituationen f\u00fcr sehr kurze Zeitr\u00e4ume, das hei\u00dft einige wenige Stunden im Jahr, auch in Deutschland<br \/>\nauf.<br \/>\nIm besonderen Fokus stand bei dem Stresstest vor allem die Frage, ob und in welchem Ausma\u00df es zu<br \/>\nEngp\u00e4ssen im Stromnetz kommt. Ergebnis ist hier, dass es \u2013 bedingt durch den verz\u00f6gerten Netzausbau<br \/>\nund fehlende Erzeugungskapazit\u00e4ten im S\u00fcden \u2013 in allen drei Szenarien Netzengp\u00e4sse geben kann. Zur<br \/>\nBehebung dieser Netzengp\u00e4sse sind Kraftwerke aus dem Ausland (Redispatchkraftwerke) n\u00f6tig,<br \/>\nteilweise im deutlich gr\u00f6\u00dferen Umfang als bisher errechnet und eingeplant. Da die Versorgungslage<br \/>\nin ganz Europa unter anderem in Folge von D\u00fcrre, Niedrigwasser und den Problemen bei franz\u00f6sischen<br \/>\nAtomkraftwerken angespannt ist, ist \u00e4u\u00dferst unsicher, ob diese Kraftwerksleistung bei den<br \/>\neurop\u00e4ischen Partnern tats\u00e4chlich zur Verf\u00fcgung stehen kann.<br \/>\nDaher kommt der zweite Stresstest zum Ergebnis, dass es aus Gr\u00fcnden der Vorsorge ein B\u00fcndel von<br \/>\nMa\u00dfnahmen braucht, um Netzengp\u00e4sse zu vermeiden. Dazu werden eine Reihe von L\u00f6sungsans\u00e4tzen zur<br \/>\nEntsch\u00e4rfung von kritischen Situationen empfohlen, die kombiniert werden sollten \u2013 eine Ma\u00dfnahme<br \/>\nallein reicht nicht. Wichtige Beitr\u00e4ge zur Netzsicherheit sind eine h\u00f6here Auslastung der<br \/>\nbestehenden Netze durch eine Beschleunigung des geplanten witterungsabh\u00e4ngigen<br \/>\nFreileitungsbetriebs, eine bessere Nutzung verschiedener Kraftwerke und Kraftwerksreserven sowie<br \/>\nvertragliches Lastmanagement. Diese Ma\u00dfnahmen sollten zwingend und dringend umgesetzt werden.<br \/>\nF\u00fcr das sehr kritische Szenario ++ wurde in einer zus\u00e4tzlichen Berechnung der m\u00f6gliche Effekt einer<br \/>\nVerf\u00fcgbarkeit der drei Atomkraftwerke Emsland, Isar und Neckarwestheim im Stromnetz untersucht. Die<br \/>\nErgebnisse zeigen: Wenn man die drei Atomkraftwerke verf\u00fcgbar h\u00e4lt, kann dies in Stresssituationen<br \/>\nim Stromnetz nur einen begrenzten Beitrag leisten. Zur Stabilisierung des Stromnetzes w\u00fcrden die<br \/>\ndrei AKW in einem sehr kritischen Szenario den Bedarf an Redispatchkraftwerken im Ausland nicht um<br \/>\ndie Nennleistung der AKW senken, sondern nur um 0,5 GW. Es bleibt auch dann ein Redispatchbedarf im<br \/>\nAusland von 4,6 GW (im gerechneten Szenario ++ besteht ohne AKW ein Redispatchbedarf im Ausland von<br \/>\n5,1 GW). Redispatchkraftwerke sind Kraftwerke, die dem deutschen Markt kurzfristig Strom zum<br \/>\nAusgleich von Netzengp\u00e4ssen zur Verf\u00fcgung stellen k\u00f6nnen. Es w\u00fcrde zudem &#8211; gemessen am<br \/>\nGesamtgasverbrauch &#8211; nur minimal Gas eingespart. Insgesamt besitzt Atomenergie im Vergleich zu den<br \/>\nanderen dringenden Ma\u00dfnahmen eine untergeordnete Rolle, um in kritischen Situationen die<br \/>\nNetzsicherheit zu gew\u00e4hrleisten. Es bleiben auch bei einer Nutzung der drei verbleibenden<br \/>\nAtomkraftwerke deutliche Eingriffe in den Kraftwerkspark n\u00f6tig, um die Netzsicherheit zu<br \/>\ngew\u00e4hrleisten.<br \/>\nN\u00e4her zur Einsatzreserve:<br \/>\nDa der m\u00f6gliche Beitrag der Atomenergie nach den Berechnungen des zweiten Stresstests begrenzt ist<br \/>\nund Atomenergie weiterhin eine Hochrisikotechnologie ist, muss eine besonders sorgf\u00e4ltige und<br \/>\nzielgenaue Ausgestaltung erfolgen, nicht zuletzt um den hohen verfassungsrechtlichen H\u00fcrden des<br \/>\nArt. 20a GG Rechnung zu tragen. So verpflichtet Art. 20a GG den Staat in Verantwortung f\u00fcr die<br \/>\nk\u00fcnftigen Generationen die nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der<br \/>\nverfassungsm\u00e4\u00dfigen Ordnung zu sch\u00fctzen. Die Risiken, die die Nutzung der Atomenergie zur<br \/>\nStromerzeugung mit sich bringt und die Lasten, die durch Atomm\u00fcll f\u00fcr k\u00fcnftige Generationen<br \/>\nentstehen, sind daher nur dann vertretbar, wenn eine genaue Interessenabw\u00e4gung erfolgt und der<br \/>\nGrund f\u00fcr die Nutzung von Atomenergie genau dargelegt wird.<br \/>\nDaher spricht sich Minister Habeck f\u00fcr eine zielgenaue AKW-Einsatzreserve aus, die sowohl zeitlich<br \/>\nals auch in ihrem Anwendungsbereich begrenzt ist. Die AKW-Einsatzreserve hat die Risiken der<br \/>\nAtomenergie im Fokus und tr\u00e4gt der Sondersituation im Winter 2022\/23 Rechnung und ist damit<br \/>\nzeitlich begrenzt bis Mitte April 2023. Der Anwendungsbereich ist inhaltlich begrenzt auf die<br \/>\ns\u00fcdlichen Kraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim. Nur f\u00fcr diesen Zeitraum und nur f\u00fcr die zwei<br \/>\ns\u00fcddeutschen AKWs ist ein eng konditionierter Notfalleinsatz der AKWs zur Abwehr einer konkreten<br \/>\nGefahr f\u00fcr die Versorgungssicherheit erforderlich und damit im Rahmen der Verfassung eine noch<br \/>\nvertretbare Entscheidung des Gesetzgebers. F\u00fcr den norddeutschen Raum sind hingegen andere, weniger<br \/>\nrisikoreiche Instrumente einsetzbar. So k\u00f6nnen hier kurzfristig zus\u00e4tzliche \u00d6lkraftwerke in Form<br \/>\nvon Kraftwerksschiffen sogenannten \u201ePower-Barges\u201c eingesetzt werden. Diese stehen f\u00fcr Isar 2 und<br \/>\nNeckarwestheim nicht zur Verf\u00fcgung.<br \/>\nDie Einsatzreserve aus Isar 2 und Neckarwestheim soll zudem bewusst als Reserve ausgestaltet werden<br \/>\nund nur dann eingesetzt werden, wenn zu bef\u00fcrchten ist, dass die anderen Instrumente nicht<br \/>\nausreichen, um eine Versorgungskrise abzuwenden. Die Ausgestaltung der Einsatzreserve wird die<br \/>\nnotwendigen technischen Anforderungen der Atomkraft ber\u00fccksichtigen. Eine Verl\u00e4ngerung \u00fcber Mitte<br \/>\nApril 2023 hinaus oder eine Wiederbelebung im Winter 23\/24 ist aufgrund des Sicherheitszustands der<br \/>\nAKW und den grunds\u00e4tzlichen Erw\u00e4gungen zu den Risiken der Atomkraft ausgeschlossen.<br \/>\nDie Einsatzreserve soll im Energiesicherungsgesetz geregelt werden. Sie setzt zudem voraus, dass<br \/>\nkeine Abstriche von den \u00fcblichen Sicherheitsanforderungen gemacht werden. Entsprechend ist eine<br \/>\nbelastbare Pr\u00fcfung des Sicherheitszustandes n\u00f6tig.<br \/>\nUm zu entscheide, wann die Reserve abgerufen wird, wird ein Monitoring der Bundesnetzagentur zur<br \/>\nBewertung der Strommarkt- und Netzsituation fr\u00fchzeitig die Entwicklungen im Stromsystem<br \/>\n(Kohlevorr\u00e4te, Kraftwerkverf\u00fcgbarkeiten, Gasverf\u00fcgbarkeit etc.) aufzeigen. Auf diese Weise soll<br \/>\neine Analyse der stromseitigen Versorgungssicherheit anhand unterschiedlicher Indikatoren<br \/>\nerm\u00f6glicht werden. Diese dient dann als Grundlage f\u00fcr die Entscheidung \u00fcber eine m\u00f6gliche<br \/>\nAktivierung der AKW-Einsatzreserve. Es werden u. a. die Parameter \u00fcberwacht, die in den<br \/>\nStresstest-Szenarien kritische Markt- und Netzsituationen nach sich ziehen. Ziel sollte eine<br \/>\nBewertung der Gesamtsituation und eine fr\u00fchzeitige Bewertung alternativer Ma\u00dfnahmen sein.<br \/>\nBei kritischen oder fragw\u00fcrdigen Entwicklungen erfolgt unverz\u00fcglich eine vertiefte Analyse mit der<br \/>\nBundesnetzagentur und den \u00dcbertragungsnetzbetreibern. Nach Vorschlag des BMWK soll die<br \/>\nBundesnetzagentur die Empfehlung f\u00fcr den Abruf der Reserve im Fall der F\u00e4lle aussprechen; die<br \/>\nEntscheidung soll dann \u00fcber Regierungsverordnung mit Widerspruchsm\u00f6glichkeit des Bundestages<br \/>\nerfolgen. Die Wiederanfahrgenehmigung erteilt die zust\u00e4ndige Atomaufsichtsbeh\u00f6rde.<\/p>\n<p>https:\/\/www.bmwk.de\/Redaktion\/DE\/Pressemitteilungen\/2022\/09\/20220905-stresstest-zum-stromsystem.html<\/p>\n<p>Quelle:abo-bmwi.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin: Stresstest zum Stromsystem: BMWK st\u00e4rkt Vorsorge zur Sicherung der Stromnetz-Stabilit\u00e4t im Winter 22\/23 Habeck \u201eWir tun alles, was n\u00f6tig ist &#8211; Einsatzreserve f\u00fcr Atomkraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim wird eines von mehreren Elementen\u201c Die vier deutschen \u00dcbertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW haben heute die Ergebnisse des zweiten Netzstresstests (zweite Sonderanalyse Winter 22\/23) vorgelegt. 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