{"id":15143,"date":"2022-08-15T08:20:35","date_gmt":"2022-08-15T06:20:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.frankensicht.de\/?p=15143"},"modified":"2022-08-15T08:20:35","modified_gmt":"2022-08-15T06:20:35","slug":"die-wirtschaftliche-lage-in-deutschland-im-august-20221","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.frankensicht.de\/?p=15143","title":{"rendered":"Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im August 2022[1]"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #ff0000;\">Berlin:<\/span><\/p>\n<p>Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im August 2022[1]<\/p>\n<p>Die deutsche Wirtschaft hat sich im ersten Halbjahr als widerstandsf\u00e4hig erwiesen. Trotz des<br \/>\nKrieges in der Ukraine und der in dessen Folge drastisch gestiegenen Energiepreise blieb die<br \/>\nWirtschaftsleistung im zweiten Quartal gegen\u00fcber dem Vorquartal unver\u00e4ndert. Insgesamt hat sich die<br \/>\ndeutsche Volkswirtschaft im ersten Halbjahr besser entwickelt als von vielen Beobachtern erwartet.<br \/>\nAllerdings sorgen die seit Mitte Juni reduzierten Gaslieferungen, die nochmals gestiegenen<br \/>\nEnergiepreise, die fortwirkenden Lieferengp\u00e4sse sowie die allgemein erh\u00f6hte Unsicherheit f\u00fcr<br \/>\ndeutlich schlechtere Aussichten f\u00fcr das zweite Halbjahr. Die deutsche Industrie erholte sich auch<br \/>\nim Berichtsmonat Juni weiter von dem externen Schock, den sie durch den russischen Angriffskrieg<br \/>\ngegen die Ukraine erlitten hatte. Die Produktion und der Export von Waren legten zu. Die Nachfrage<br \/>\nallerdings verlief bei abgek\u00fchltem Gesch\u00e4ftsklima schwach. Der Ausblick f\u00fcr die Industriekonjunktur<br \/>\nim zweiten Halbjahr bleibt angesichts der gro\u00dfen Unsicherheit zur\u00fcckhaltend. Die Ums\u00e4tze im<br \/>\nEinzelhandel verzeichneten binnen Jahresfrist aufgrund hoher Preissteigerungen in realer Rechnung<br \/>\nden gr\u00f6\u00dften R\u00fcckgang seit dem Jahr 1994. Vor dem Hintergrund kr\u00e4ftiger Preisniveausteigerungen im<br \/>\nEinzelhandel setzte das Konsumklima seine Talfahrt weiter fort. Die Inflationsrate ging von Juni<br \/>\nauf Juli zum zweiten Mal hintereinander leicht auf 7,5\u00a0% zur\u00fcck. Das entspricht einer Abnahme um<br \/>\n0,1\u00a0Prozentpunkte gegen\u00fcber dem Vormonat (Juni: +7,6\u00a0%). Die Absenkung der Energiesteuer auf<br \/>\nKraftstoffe, das Neun-Euro-Ticket und seit Juli auch die Abschaffung der EEG-Umlage haben den<br \/>\nPreisauftrieb leicht ged\u00e4mpft. Die Energietr\u00e4ger verteuerten sich etwas schw\u00e4cher aber erneut<br \/>\nkr\u00e4ftig. Der Preisanstieg bei Nahrungsmitteln verzeichnete ein neues Allzeithoch seit der<br \/>\nWiedervereinigung. Der Arbeitsmarkt zeigte sich weiterhin vergleichsweise robust, auch wenn die<br \/>\nFluchtmigration aus der Ukraine sich erneut deutlich auf die Arbeitslosigkeit auswirkte. Die<br \/>\nGefl\u00fcchteten d\u00fcrften auch in den kommenden Monaten zu weiteren Anstiegen bei der registrierten<br \/>\nArbeitslosigkeit f\u00fchren. Gleichzeitig stieg die Zahl der offenen Stellen im zweiten Quartal auf ein<br \/>\nAllzeithoch. Der steigende Personalbedarf erfasst fast alle Branchen. Auch f\u00fcr den Arbeitsmarkt ist<br \/>\ndas gr\u00f6\u00dfte Risiko ein Gaslieferstopp aus Russland, der zu einem R\u00fcckgang der Wirtschaftsleistung<br \/>\nund einem Anstieg der Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit f\u00fchren d\u00fcrfte. F\u00fcr Mai 2022 meldeten die<br \/>\ndeutschen Amtsgerichte mit 1.242 beantragten Unternehmensinsolvenzen in etwa genauso viele<br \/>\nInsolvenzen wie im Vormonat April 2022. Insgesamt lagen die beantragten Unternehmensinsolvenzen in<br \/>\nden ersten f\u00fcnf Monaten des Jahres 2022 um 4% unter dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Aktuelle<br \/>\nFr\u00fchindikatoren und Umfragen deuten \u2013 trotz der gestiegenen Risken \u2013 auf keinen signifikanten<br \/>\nAnstieg in naher Zukunft hin.<br \/>\nDIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT HAT SICH IM ERSTEN HALBJAHR WIDERSTANDSF\u00c4HIG GEZEIGT \u2013 AUSBLICK WEITER VON<br \/>\nUNSICHERHEIT GEPR\u00c4GT<br \/>\nDie konjunkturelle Stimmung in Deutschland ist weiterhin zweigeteilt.\u00a0Einerseits haben sich<br \/>\nwichtige Kennzahlen f\u00fcr die deutsche Wirtschaft im Juni positiv entwickelt. So stiegen die<br \/>\nIndustrieproduktion und die Warenexporte an und die Warenimporte liegen weiter auf hohem Niveau.<br \/>\nAndererseits deuten vorausschauende Indikatoren und Stimmungsdaten wie die Auftragseing\u00e4nge und das<br \/>\nifo Gesch\u00e4ftsklima auf eine Verschlechterung der Wirtschaftsleistung im zweiten Halbjahr hin. Vor<br \/>\nallem die reduzierten Gaslieferungen aus Russland dr\u00fccken die Stimmung und eine weitere Drosselung<br \/>\nstellt das Hauptrisiko f\u00fcr die weitere wirtschaftliche Entwicklung dar.<br \/>\nDie Lage bei den weltweiten Lieferketten bleibt ebenfalls angespannt, auch wenn sich das aus China<br \/>\nstammende Frachtvolumen zuletzt wieder erholte. Die Engp\u00e4sse d\u00fcrften jedoch im zweiten Halbjahr<br \/>\nanhalten, sodass die Aussichten f\u00fcr den deutschen Au\u00dfenhandel verhalten ausfallen. Die Unsicherheit<br \/>\nund die hohe Inflation wirkten belastend auf das Konsumklima: Die Einzelhandelsums\u00e4tze waren<br \/>\nzuletzt wieder r\u00fcckl\u00e4ufig. Die Inflationsrate sank im Juli zwar erneut leicht auf +7,5\u00a0%, liegt<br \/>\ndamit aber immer noch auf einem Niveau wie w\u00e4hrend der ersten \u00d6lkrise im Winter 1973\/74 im fr\u00fcheren<br \/>\nBundesgebiet. Nach wie vor sind es vor allem die Preise f\u00fcr Energie und Nahrungsmittel, die die<br \/>\nallgemeine Teuerung treiben. Der eingef\u00fchrte Tankrabatt und das Neun-Euro-Ticket sorgten allerdings<br \/>\nf\u00fcr eine gewisse Entlastung. Die weitere Entwicklung des Preisniveaus h\u00e4ngt vor allem am Fortgang<br \/>\nder Energielieferungen aus Russland sowie an der Reaktion der EZB auf die hohen Inflationsraten.<br \/>\nInsgesamt zeigt sich aber ein solides erstes Halbjahr, in dem die deutsche Wirtschaft einige<br \/>\nWiderstandskraft bewies: Das Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Quartal nach neuen Berechnungen vom<br \/>\nStatistischen Bundesamt merklich aufw\u00e4rts korrigiert worden und robust gewachsen. Im zweiten<br \/>\nQuartal wurde dieses Niveau gehalten. Mancher Beobachter hatten in diesem Zeitraum eine r\u00fcckl\u00e4ufige<br \/>\nEntwicklung erwartet. Die bisherige Entwicklung war also besser als gedacht.<br \/>\nWELTWIRTSCHAFT ERHOLT SICH LANGSAM \u2013 AUSBLICK BLEIBT ABER VERHALTEN<br \/>\nDie Weltwirtschaft ist dabei, den externen Schock durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine<br \/>\nzu verkraften.\u00a0Die weltweite Industrieproduktion wurde im Mai um lediglich 0,4\u00a0% gegen\u00fcber dem<br \/>\nVormonat erh\u00f6ht, nachdem sie im M\u00e4rz sowie im April gedrosselt worden war (-1,0\u00a0% bzw. -2,3\u00a0%). Der<br \/>\nWelthandel indes konnte im Mai (+2,5\u00a0%) die Abnahme aus dem M\u00e4rz (-1,2\u00a0%) nach zwischenzeitlicher<br \/>\nStagnation im April (+0,0\u00a0%) wieder gut machen. Dennoch wird der Welthandel von der St\u00f6rung der<br \/>\nLieferketten ged\u00e4mpft. Es stauen sich derzeit vermehrt Schiffe in der Nordsee vor den H\u00e4fen<br \/>\nDeutschlands, der Niederlande und Belgiens. Hier stecken gegenw\u00e4rtig knapp 2\u00a0% der globalen<br \/>\nFrachtkapazit\u00e4t fest.<br \/>\nDer Stimmungsindikator von S&amp;P Global (ehemals IHS Markit) deutet auf eine leichte Erholung in den<br \/>\nkommenden Monaten hin. Er fiel zwar im Juli von 53,5 recht deutlich auf 50,8\u00a0Punkte, lag damit aber<br \/>\nweiterhin etwas \u00fcber der Wachstumsschwelle von 50\u00a0Punkten. Die ifo-Exporterwartungen haben sich<br \/>\ngegen\u00fcber dem Vormonat ebenfalls wieder eingetr\u00fcbt (-0,5 nach +3,4\u00a0Saldopunkten). Erstmals seit<br \/>\nM\u00e4rz \u00fcberwog damit der Anteil pessimistischer Unternehmen jene Fraktion, die mit einer Verbesserung<br \/>\nin den n\u00e4chsten Monaten rechnet.<br \/>\nDEUTSCHER AUSSENHANDEL: AUSFUHREN STEIGEN KR\u00c4FTIG \u2013 EINFUHREN NEHMEN LEICHT ZU<br \/>\nDas erh\u00f6hte Preisniveau der Energietr\u00e4ger macht sich auch im deutschen Au\u00dfenhandel bemerkbar. Die<br \/>\nnominalen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen stiegen im Juni saisonbereinigt um kr\u00e4ftige<br \/>\n4,3\u00a0% gegen\u00fcber dem Vormonat. Im Mai hatten sie um moderatere 2,5\u00a0% zugelegt. F\u00fcr das zweite<br \/>\nQuartal 2022 ergibt sich damit ein deutliches Plus von 8,8\u00a0%. Die Exportpreise sind im Juni um<br \/>\nsaisonbereinigt 1,0\u00a0% gestiegen (2. Quartal: +4,3\u00a0%) und d\u00fcrften den Anstieg der Ausfuhren in<br \/>\nrealer Rechnung damit (merklich) d\u00e4mpfen. Nach Bestimmungsl\u00e4ndern stiegen die Waren-Ausfuhren<br \/>\nsowohl in die EU-Mitgliedstaaten (+3,9\u00a0%) als auch in Drittstaaten wie den Vereinigten Staaten<br \/>\n(+6,2\u00a0%) und China (+2,4\u00a0%).<br \/>\nDemgegen\u00fcber nahmen die Einfuhren von Waren und Dienstleistungen im Juni gegen\u00fcber dem Vormonat<br \/>\nsaisonbereinigt leicht zu (+0,6\u00a0%). Im Mai waren sie um 2,8\u00a0% gestiegen. Im Quartalsvergleich steht<br \/>\nein kr\u00e4ftiger Zuwachs von 8,3\u00a0%. Bei nochmals gestiegenen Importpreisen im Juni (+1,2\u00a0%; 2.<br \/>\nQuartal: +6,2\u00a0%) d\u00fcrfte die reale Entwicklung der Einfuhren zuletzt negativ ausgefallen sein. Die<br \/>\nnominalen Waren-Einfuhren aus den Vereinigten Staaten sowie China fielen geringer aus als im<br \/>\nVormonat (-6,6\u00a0% bzw. -3,9\u00a0%), w\u00e4hrend die Einfuhren aus der EU leicht zunahmen (+0,3\u00a0%).<br \/>\nIm Zuge der au\u00dferordentlichen Preisdynamik im Bereich der Energietr\u00e4ger belief sich der monatliche<br \/>\nLeistungsbilanz\u00fcberschuss Deutschlands im Juni auf au\u00dfergew\u00f6hnlich niedrige 16,2 Mrd. Euro. Im<br \/>\nDurchschnitt der letzten Jahre waren monatliche Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse von \u00fcber 20 Mrd. Euro<br \/>\n\u00fcblich.<br \/>\nDie deutschen Waren-Ausfuhren nach Russland stiegen im Juni gegen\u00fcber Mai saisonbereinigt um 14,5\u00a0%<br \/>\n(Mai: +29,4\u00a0%). Gegen\u00fcber dem Vorjahresmonat sanken die Waren-Ausfuhren gem\u00e4\u00df Ursprungswerten<br \/>\njedoch um 40,3\u00a0%. Ein Grund f\u00fcr die Steigerungsraten im Vormonatsvergleich k\u00f6nnte eine Reaktion im<br \/>\nBereich nicht-sanktionierter G\u00fcter wie z. B. Pharmazeutische Erzeugnisse sein. In den Monaten M\u00e4rz<br \/>\nund April gab es m\u00f6glicherweise noch Unsicherheit zur Anwendbarkeit der Sanktionen.<br \/>\nNach dem Lockdown- und Hafenstreik-bedingten Einbruch vor zwei Wochen erholt sich das aus China<br \/>\nstammende Frachtvolumen wieder. Dennoch bleibt der weltweite Seeverkehr aufgrund von<br \/>\nLieferkettenst\u00f6rungen und Kapazit\u00e4tsengp\u00e4ssen angespannt.\u00a0Auch vor diesem Hintergrund haben sich<br \/>\ndie ifo Exporterwartungen im Juli erneut eingetr\u00fcbt und liegen nun erstmals seit M\u00e4rz wieder im<br \/>\nnegativen Bereich (von +3,4 auf -0,5\u00a0Saldenpunkte). Derzeit rechnen nur rund 12\u00a0% der Unternehmen<br \/>\nmit einer Verbesserung in den n\u00e4chsten drei Monaten. Der Ausblick f\u00fcr den deutschen Au\u00dfenhandel in<br \/>\nden kommenden Monaten f\u00e4llt zusammengenommen eher verhalten aus.<br \/>\nDIE INDUSTRIE ERHOLT SICH IM JUNI WEITER; DER AUSBLICK BLEIBT ABER GED\u00c4MPFT<br \/>\nDie Produktion im Produzierenden Gewerbe ist im Juni um 0,4\u00a0% gegen\u00fcber dem Vormonat gestiegen. Die<br \/>\nIndustrie und konnten ihren Aussto\u00df um 0,7\u00a0% erh\u00f6hen, w\u00e4hrend die Produktion im Baugewerbe um 0,8\u00a0%<br \/>\nzur\u00fcckging. Im Bereich Energie gab es keine Ver\u00e4nderung (0,0\u00a0%).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.frankensicht.de\/?attachment_id=1457\" rel=\"attachment wp-att-1457\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1457\" src=\"https:\/\/www.frankensicht.de\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/StatPressCN-\u2039-frankensicht.de-\u2014-WordPress_1336737358340.jpeg\" alt=\"\" width=\"235\" height=\"119\" \/><\/a><br \/>\nInnerhalb der Industrie gab es im gewichtigen Bereich Kfz und Kfz-Teile ein kr\u00e4ftiges Plus von<br \/>\n5,5\u00a0%. Hier wurde der kriegsbedingte Einbruch im M\u00e4rz mittlerweile wieder wettgemacht, die<br \/>\nProduktion liegt nun wieder \u00fcber ihrem Niveau zu Jahresanfang. In den anderen Bereichen der<br \/>\nIndustrie waren unterschiedliche Entwicklungen zu verzeichnen: Im Maschinenbau steigerte sich der<br \/>\nAussto\u00df leicht um 0,4\u00a0%. Auch die Bereiche Papier und Pappe (+2,2\u00a0%) sowie Nahrungs- und<br \/>\nFuttermittel (+2,0\u00a0%), die im Vormonat teils merkliche R\u00fcckg\u00e4nge gemeldet hatten, steigerten ihre<br \/>\nProduktion. Die Herstellung von Metallerzeugnissen (-2,1\u00a0%) und chemischen Erzeugnisse (-0,7\u00a0%)<br \/>\nging hingegen zur\u00fcck.<br \/>\nDie Auftragseing\u00e4nge sind im Juni gegen\u00fcber dem Vormonat um 0,4\u00a0% zur\u00fcckgegangen. In den vier<br \/>\nMonaten zuvor waren sie bereits infolge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine stetig<br \/>\ngesunken. Zuletzt gab es unterdurchschnittlich wenig Gro\u00dfauftr\u00e4ge. Ohne Ber\u00fccksichtigung von<br \/>\nGro\u00dfauftr\u00e4gen haben sich die Ordereing\u00e4nge um 0,4\u00a0% gegen\u00fcber dem Vormonat erh\u00f6ht. Insgesamt lagen<br \/>\ndie Auftragseing\u00e4nge damit zuletzt in arbeitst\u00e4glich bereinigter Rechnung 9,0\u00a0% unter ihrem Niveau<br \/>\nvor Vorjahresfrist.<br \/>\nAusschlaggebend f\u00fcr die Abnahme im Juni gegen\u00fcber dem Vormonat war eine sp\u00fcrbar gesunkene Nachfrage<br \/>\nnach Investitionsg\u00fctern (-1,8\u00a0%). Die Produzenten von Vorleistungs- und Konsumg\u00fctern meldeten<br \/>\nhingegen Zuw\u00e4chse um 1,2\u00a0% bzw. 1,7\u00a0%. Aus dem Inland gingen 1,1\u00a0% mehr Bestellungen ein. Die<br \/>\nAuslandsnachfrage gab um 1,4\u00a0% nach, wobei ein kr\u00e4ftiges Orderminus aus dem Nicht-Euroraum von<br \/>\n4,3\u00a0% zu Buche schl\u00e4gt (Euroraum: +3,4\u00a0%). Die gewichtigen Bereiche Kfz\/Kfz-Teile und Maschinenbau<br \/>\nverzeichneten leichte Abnahmen der Auftragseing\u00e4nge um 0,1\u00a0% bzw. 0,4\u00a0%. Der sonstige Fahrzeugbau<br \/>\nmeldete einen kr\u00e4ftigen R\u00fcckgang um 25,6\u00a0%. Zu Zuw\u00e4chsen kam es indes in den Bereichen<br \/>\npharmazeutische Erzeugnisse (+9,2\u00a0%), chemische Erzeugnisse (+1,1\u00a0%) und elektrische Ausr\u00fcstungen<br \/>\n(+0,6\u00a0%).<br \/>\nDie Industrie als Ganzes erholte sich auch im Berichtsmonat Juni weiter von dem externen Schock,<br \/>\nden sie durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine erlitten hatte. Angesichts hoher<br \/>\nEnergiepreise und der teilweise gest\u00f6rten Lieferketten zeigte sie damit ihre Widerstandskraft.<br \/>\nAufgrund ihrer Exportorientierung ist die deutsche Industrie \u00fcberproportional von den<br \/>\nHandelssanktionen gegen Russland betroffen. Die Nachfrage verl\u00e4uft schwach bei abgek\u00fchltem<br \/>\nGesch\u00e4ftsklima. Angesichts der erh\u00f6hten Unsicherheit durch den Krieg und einer drohenden<br \/>\nGasknappheit bleibt der Ausblick f\u00fcr die Industriekonjunktur im zweiten Halbjahr zur\u00fcckhaltend.<br \/>\nEINZELHANDELSUMSATZ HAT IM VORJAHRESVERGLEICH KR\u00c4FTIG ABGENOMMEN<br \/>\nIm Einzelhandel ohne Kfz haben sich die Ums\u00e4tze im Juni gegen\u00fcber dem Vormonat um 1,6\u00a0% verringert,<br \/>\nnachdem sie im Mai um 1,2\u00a0% gestiegen waren. Die Ums\u00e4tze lagen damit zuletzt um 8,8\u00a0% unter ihrem<br \/>\nNiveau von einem Jahr zuvor; dies ist die st\u00e4rkste Abnahme binnen Jahresfrist seit dem Jahr 1994,<br \/>\nals die Erhebung der Zeitreihe begonnen wurde. Hauptgrund daf\u00fcr sind die hohen<br \/>\nPreisniveausteigerungen im Einzelhandel. So kam es in nominaler Rechnung, also ohne<br \/>\nPreisbereinigung, binnen Jahresfrist lediglich zu einem Umsatzr\u00fcckgang von 0,8\u00a0%. Der Handel mit<br \/>\nLebensmitteln verzeichnete im Juni im Vergleich zum Vormonat einen realen Umsatzr\u00fcckgang von 0,6\u00a0%<br \/>\n(gg\u00fc. Vorjahresmonat -7,2\u00a0%) und damit das tiefste Niveau seit Juni 2016. Neben stark gestiegenen<br \/>\nPreisen k\u00f6nnte auch das kr\u00e4ftige Umsatzplus in der Gastronomie von 8,6\u00a0% den Lebensmittelhandel<br \/>\nnegativ beeinflusst haben. Beim Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren setzte<br \/>\nsich die im bisherigen Jahresverlauf zu beobachtende aufw\u00e4rtsgerichtete Tendenz nicht fort. Er<br \/>\nmeldete ein deutliches Minus von 5,4\u00a0% (gg\u00fc. Vorjahresmonat -10,1\u00a0%). Auch im Internet- und<br \/>\nVersandhandel verlief die Entwicklung schwach. Er hatte im Juni den st\u00e4rksten R\u00fcckgang gegen\u00fcber<br \/>\ndem Vormonat seit 1994 von 3,8\u00a0% zu verbuchen (gg\u00fc. Vorjahresmonat -15,1\u00a0%). An den Tankstellen kam<br \/>\nes im Zuge der Einf\u00fchrung des Tankrabatts im Juni zu einem Umsatzplus von 6,4\u00a0% (gg\u00fc. Vorjahr<br \/>\n-8,0\u00a0%) Bei den Neuzulassungen von Pkw durch private Halter ergab sich im Juli erneut eine Zunahme<br \/>\num 1,4\u00a0%, nachdem sie bereits in den beiden Vormonaten merklich zugelegt hatten (Juni: +2,6\u00a0%; Mai:<br \/>\n+5,9\u00a0%).<br \/>\nDas Konsumklima setzte gem\u00e4\u00df der beiden g\u00e4ngigen Fr\u00fchindikatoren seine Talfahrt aufgrund der sehr<br \/>\nkr\u00e4ftigen Steigerungen bei den Preisen f\u00fcr Energie- und Lebensmittel weiter fort: F\u00fcr das GfK<br \/>\nKonsumklima wird f\u00fcr August wieder ein neuer historischer Tiefststand prognostiziert. Auch die ifo<br \/>\nGesch\u00e4ftserwartungen im Einzelhandel tr\u00fcbten sich im Juli weiter merklich ein. Der Saldo der<br \/>\nMeldungen erreicht nunmehr ein sehr niedriges Niveau.<br \/>\nINFLATIONSRATE ERNEUT LEICHT R\u00dcCKL\u00c4UFIG<br \/>\nDas Niveau der Verbraucherpreise ist im Juli gegen\u00fcber dem Vormonat um 0,9\u00a0% gestiegen, was vor<br \/>\nallem auf einen deutlichen Preisanstieg bei Pauschalreisen (+15,2\u00a0%) zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Auch<br \/>\nNahrungsmittel verteuerten sich wieder sp\u00fcrbar (+2,3\u00a0%). Die Preise f\u00fcr Energie gingen indes leicht<br \/>\nzur\u00fcck (-0,3\u00a0%).<br \/>\nDie Inflationsrate, also die Entwicklung des Preisniveaus binnen Jahresfrist, ging im Juli zum<br \/>\nzweiten Mal hintereinander auf 7,5\u00a0% leicht zur\u00fcck. Dies entspricht einer Abnahme um<br \/>\n0,1\u00a0Prozentpunkte gegen\u00fcber dem Vormonat (Juni: +7,6\u00a0%). Im Mai hat die Rate mit +7,9\u00a0% ihren<br \/>\nbisherigen H\u00f6chstwert seit dem Winter 1973\/74 zu Zeiten der ersten \u00d6lkrise erreicht. Zu Beginn des<br \/>\nJahres hatte sie allerdings noch unter 5\u00a0% gelegen. Ma\u00dfgeblich f\u00fcr das hohe Niveau der<br \/>\nInflationsrate ist nach wie vor die sehr starke Teuerung bei den Energieprodukten (+35,5\u00a0%, Juni:<br \/>\n38,0\u00a0%). Das Neun-Euro-Ticket und der Tankrabatt wirken seit Juni leicht d\u00e4mpfend auf die<br \/>\nInflation. Im Juli wurde zudem die EEG-Umlage abgeschafft. Der Anstieg der Preise f\u00fcr<br \/>\nNahrungsmittel verzeichnete jedoch mit +14,8\u00a0% ein neues Allzeithoch seit der Wiedervereinigung<br \/>\n(Juni: +12,7\u00a0%). Auch von den Preisen f\u00fcr Pauschalreisen ging erneut ein sp\u00fcrbarer Impuls auf die<br \/>\nInflationsrate aus (+10,1\u00a0%). Die Kerninflationsrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) lag im Juli<br \/>\nunver\u00e4ndert bei +3,2\u00a0%. Im Vergleich zur Inflation insgesamt ist das eine eher geringe Rate, zu<br \/>\nBeginn des Jahres hatte sie jedoch noch unter 3\u00a0% gelegen. Angesichts der anhaltenden Unsicherheit<br \/>\nbei den russischen Gaslieferungen ist in den kommenden Monaten weiterhin mit einem starken<br \/>\nPreisdruck bei Energie und deshalb auf absehbare Zeit mit hohen Inflationsraten zu rechnen.<br \/>\nARBEITSMARKT VORERST STABIL, FLUCHTMIGRATION ERH\u00d6HT ARBEITSLOSIGKEIT<br \/>\nDer Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin vergleichsweise robust, auch wenn die Fluchtmigration aus der<br \/>\nUkraine sich erneut deutlich auf die Arbeitslosigkeit auswirkt.\u00a0Die registrierte\u00a0Arbeitslosigkeit<br \/>\nerh\u00f6hte sich im Juli saisonbereinigt nochmal kr\u00e4ftig um 48.000 Personen. Der Anstieg ist auf<br \/>\nukrainische Gefl\u00fcchtete zur\u00fcckzuf\u00fchren, die seit Juni in der Grundsicherung erfasst werden. In<br \/>\nUrsprungswerten nahm die registrierte Arbeitslosigkeit um 107.000 auf 2,47\u00a0Mio. Personen zu. Im<br \/>\nVergleich zum Vorjahresmonat waren aber immer noch 120.000 Personen weniger arbeitslos gemeldet.<br \/>\nBei Erwerbst\u00e4tigkeit und sozialversicherungspflichtiger Besch\u00e4ftigung setzte sich der bisherige<br \/>\npositive Verlauf weiter fort. Die Erwerbst\u00e4tigkeit erh\u00f6hte sich im Juni saisonbereinigt um 24.000<br \/>\nPersonen.\u00a0In Ursprungswerten waren damit 45,6\u00a0Millionen Menschen erwerbst\u00e4tig, 610.000 Personen<br \/>\nmehr als im Vorjahresmonat.\u00a0Bei der sozialversicherungspflichtigen Besch\u00e4ftigung gab es im Mai ein<br \/>\ndeutliches Plus von 45.000\u00a0Personen. Die Inanspruchnahme der Kurzarbeit lag im Mai bei rund<br \/>\n0,33\u00a0Mio. Personen und damit nochmals merklich niedriger als im Vormonat. Auch die Anzeigen gingen<br \/>\nweiter zur\u00fcck. Die Zahl der offenen Stellen stieg f\u00fcr das gesamten zweiten Quartal auf ein<br \/>\nAllzeithoch. Nahezu alle Branchen meldeten steigenden Personalbedarf. Die Fr\u00fchindikatoren fallen am<br \/>\naktuellen Rand verhalten aus. Laut Umfragen sind die Unternehmen zur\u00fcckhaltender bei der Schaffung<br \/>\nneuer Stellen, dennoch liegt die Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften weiter auf sehr hohem Niveau. Die<br \/>\nFluchtmigration d\u00fcrfte auch in den kommenden Monaten zu weiteren Anstiegen bei der Arbeitslosigkeit<br \/>\nf\u00fchren, ihre Intensit\u00e4t aber abnehmen. Das gr\u00f6\u00dfte Risiko f\u00fcr den Arbeitsmarkt ist ein<br \/>\nGaslieferstopp aus Russland, der zu einem R\u00fcckgang der Wirtschaftsleistung und einem Anstieg der<br \/>\nArbeitslosigkeit und Kurzarbeit f\u00fchren d\u00fcrfte.<br \/>\nWEITERHIN KEIN SIGNIFIKANTER ANSTIEG DER INSOLVENZEN<br \/>\nDie r\u00fcckl\u00e4ufige Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen der vergangenen beiden Jahre h\u00e4lt weiterhin<br \/>\nan und die Zahlen bleiben auch im Jahr 2022 bisher weiter unter Vorjahresniveau. In den ersten f\u00fcnf<br \/>\nMonaten des Jahres 2022 lagen die beantragten Unternehmensinsolvenzen um etwa 4\u00a0% unter dem Wert<br \/>\ndes entsprechenden Vorjahreszeitraums.<br \/>\nDie Zahl der beantragten Regelinsolvenzen als Fr\u00fchindikator f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Insolvenzentwicklung<br \/>\nist nach vorl\u00e4ufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes im Juli 2022 um -4,2\u00a0% gegen\u00fcber dem<br \/>\nVormonat gesunken. Damit setzte sich der bereits im Juni 2022 beobachtete R\u00fcckgang (-7,6\u00a0% gg\u00fc. Mai<br \/>\n2022) weiter fort. Ein signifikanter Anstieg der Insolvenzen ist derzeit nicht in Sicht, allerdings<br \/>\nstellen die Folgen des Kriegs in der Ukraine ein zus\u00e4tzliches Risiko f\u00fcr die Unternehmen dar,<br \/>\ndessen Auswirkungen auf das Insolvenzgeschehen im weiteren Jahresverlauf nur schwer abzusch\u00e4tzen<br \/>\nsind. Experten des IW Halle rechnen aufgrund des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds f\u00fcr das<br \/>\nGesamtjahr 2022 mit einem etwas h\u00f6heren Insolvenzaufkommen als im Vorjahr.<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n[1] In diesem Bericht werden Daten genutzt, die bis zum 11. August 2022 vorlagen. Soweit nicht<br \/>\nanders vermerkt, handelt es sich um Ver\u00e4nderungsraten gegen\u00fcber der jeweiligen Vorperiode auf Basis<br \/>\npreisbereinigter sowie kalender- und saisonbereinigter Daten.<\/p>\n<p>https:\/\/www.bmwk.de\/Redaktion\/DE\/Pressemitteilungen\/Wirtschaftliche-Lage\/2022\/20220812-die-wirtschaftliche-lage-im-august-2022.html<\/p>\n<p>Quelle:abo-bmwi.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin: Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im August 2022[1] Die deutsche Wirtschaft hat sich im ersten Halbjahr als widerstandsf\u00e4hig erwiesen. 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