{"id":14983,"date":"2022-06-02T08:39:49","date_gmt":"2022-06-02T06:39:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.frankensicht.de\/?p=14983"},"modified":"2022-06-02T08:39:49","modified_gmt":"2022-06-02T06:39:49","slug":"kindesmissbrauch-in-kirche-vereinen-und-organisationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.frankensicht.de\/?p=14983","title":{"rendered":"Kindesmissbrauch in Kirche, Vereinen und Organisationen"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #ff0000;\">M\u00fcnchen:<\/span><\/p>\n<p>Kindesmissbrauch in Kirche, Vereinen und Organisationen: Bayern will F\u00fcrsorge- und Aufsichtspersonen bei schwerem Versagen zur Verantwortung ziehen \/ Justizminister Eisenreich: &#8222;Es ist Aufgabe des Rechtsstaats, Kinder bestm\u00f6glich zu sch\u00fctzen. Deshalb wollen wir eine Schutzl\u00fccke im Strafrecht schlie\u00dfen.&#8220; \/ Justizministerin Gentges: &#8222;Das Versagen von Aufsichtspflichtigen ist struktureller Bestandteil des sexuellen Missbrauchs. So m\u00fcssen wir es auch behandeln. &#8220;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.frankensicht.de\/?attachment_id=1235\" rel=\"attachment wp-att-1235\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1235\" src=\"https:\/\/www.frankensicht.de\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/stop.png\" alt=\"\" width=\"274\" height=\"258\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Debatte zu Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche hat auch eine \u00f6ffentliche Debatte \u00fcber das Versagen von F\u00fcrsorge- und Aufsichtspersonen ausgel\u00f6st. Anlass waren beispielsweise F\u00e4lle, in denen Geistliche nach Bekanntwerden ihrer Missbrauchstaten &amp;ndash; teils sogar nach einschl\u00e4giger Verurteilung &amp;ndash; weiter in der Seelsorge eingesetzt wurden. Der Vorsitzende der 93. Justizministerkonferenz und bayerische Justizminister Georg Eisenreich: &#8222;Nach geltendem Recht k\u00f6nnen Personen, die durch ihr Tun oder &amp;ndash; vor allem &amp;ndash; Unterlassen sexuellen Missbrauch von Kindern f\u00f6rdern, nur in besonderen Konstellationen strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Bei Taten des sexuellen Missbrauchs setzt dies stets Vorsatz voraus. Bei einer K\u00f6rperverletzung kann hingegen bereits einfache Fahrl\u00e4ssigkeit zu Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren f\u00fchren. Es ist unverst\u00e4ndlich, warum der strafrechtliche Schutz vor K\u00f6rperverletzungen an dieser Stelle weiter reicht als bei sexuellem Missbrauch von Kindern. Diese Schutzl\u00fccke muss der Bundesgesetzgeber aus meiner Sicht schlie\u00dfen.&#8220;<\/p>\n<p>Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg bringen dazu einen Antrag bei der 93. Justizministerkonferenz (1.\/2. Juni) ein. Eisenreich: &#8222;Es ist die Aufgabe des Rechtsstaates, Kinder bestm\u00f6glich zu sch\u00fctzen. Der Bund hat j\u00fcngst &amp;ndash; wie seit langem von Bayern gefordert &amp;ndash; den Kindesmissbrauch vom Vergehen zu dem hochgestuft, was er ist: ein Verbrechen. Wir fordern den Bundesgesetzgeber auf, zus\u00e4tzlich F\u00e4lle in den Blick zu nehmen, in denen f\u00fcrsorge- oder aufsichtspflichtige Personen eine fremde Missbrauchstat durch grobes Fehlverhalten f\u00f6rdern.&#8220;<\/p>\n<p>Eine rechtspolitische Debatte \u00fcber die strafrechtliche Verantwortung dieses Personenkreises ist bislang trotz ersch\u00fctternder Missbrauchstaten ausgeblieben. Die Fragestellung reicht dabei weit \u00fcber den kirchlichen Bereich hinaus. Eisenreich: &#8222;Die gro\u00dfe Mehrheit der Aufsichtspersonen in Glaubens- und Weltanschauungsgemeinschaften, in Schulen, in Sportvereinen oder in \u00c4mtern setzt sich mit gro\u00dfem Engagement f\u00fcr das Wohl von Kindern ein. Diesen Menschen m\u00f6chte ich ausdr\u00fccklich danken. Wer aber bei der Aufsichtspflicht in F\u00e4llen von Kindesmissbrauch schwer versagt, der muss nach dem Willen Bayerns mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.&#8220;<\/p>\n<p>Die baden-w\u00fcrttembergische Justizministerin Marion Gentges: &#8222;Beim sexuellen Missbrauch von Kindern hinterl\u00e4sst nicht nur das physische Leid tiefe Spuren. Fast genauso schwer wiegt &amp;ndash; das ist aus vielen Opferberichten bekannt &amp;ndash; die Erfahrung, dass f\u00fcrsorgepflichtige Bezugspersonen wegschauen. Das Kind leidet doppelt: Es ist hilflos schrecklichen k\u00f6rperlichen Qualen ausgesetzt, und ausgerechnet die Person, von der es sich Schutz und Hilfe verspricht, stellt sich blind und taub und l\u00e4sst den T\u00e4ter so gew\u00e4hren. Das hinterl\u00e4sst in der Psyche des Kindes unvorstellbar tiefe Br\u00fcche, die oft ein Leben lang nicht mehr heilen. Das Versagen von Aufsichtspflichtigen ist struktureller Bestandteil des sexuellen Missbrauchs. So m\u00fcssen wir es auch behandeln. Deshalb haben wir zusammen mit Bayern diesen Vorsto\u00df auf der Justizministerkonferenz eingebracht.&amp;ldquo;<\/p>\n<p>Die beiden L\u00e4nder setzen sich f\u00fcr die Schaffung eines neuen Paragrafen im Strafgesetzbuch (\u00a7 176f StGB) ein. Vorgeschlagen wird eine ausgewogene Regelung, die dem wichtigen Ziel des Kindesschutzes vor Missbrauch effektiv dient und gleichzeitig keine unangemessenen Sanktionsrisiken schafft. Sie soll deshalb auf F\u00e4lle schweren Versagens, also grober Pflichtverletzungen, von f\u00fcrsorge- oder aufsichtspflichtigen Personen beschr\u00e4nkt werden. Die Strafbarkeit sollte auch voraussetzen, dass es tats\u00e4chlich zum sexuellen Missbrauch eines Kindes gekommen ist, der durch pflichtgem\u00e4\u00dfes Verhalten verhindert oder zumindest erschwert worden w\u00e4re. Eisenreich: &#8222;F\u00fcr diese F\u00e4lle schlagen wir eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren vor. Es geht hier um den Schutz unserer Kinder.&#8220;<\/p>\n<p>Hinweis: Die 93. Justizministerkonferenz findet am 1. und 2. Juni in Hohenschwangau (Bayern) statt.<\/p>\n<p>Quelle: stmj.bayern.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcnchen: Kindesmissbrauch in Kirche, Vereinen und Organisationen: Bayern will F\u00fcrsorge- und Aufsichtspersonen bei schwerem Versagen zur Verantwortung ziehen \/ Justizminister Eisenreich: &#8222;Es ist Aufgabe des Rechtsstaats, Kinder bestm\u00f6glich zu sch\u00fctzen. Deshalb wollen wir eine Schutzl\u00fccke im Strafrecht schlie\u00dfen.&#8220; \/ Justizministerin Gentges: &#8222;Das Versagen von Aufsichtspflichtigen ist struktureller Bestandteil des sexuellen Missbrauchs. 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