{"id":12275,"date":"2019-01-28T08:31:39","date_gmt":"2019-01-28T07:31:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.frankensicht.de\/?p=12275"},"modified":"2019-01-28T08:31:39","modified_gmt":"2019-01-28T07:31:39","slug":"grusswort-von-europa-staatsminister-michael-roth-anlaesslich-des-internationalen-holocaust-gedenktages-am-denkmal-fuer-die-im-nationalsozialismus-ermordeten-sinti-und-roma","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.frankensicht.de\/?p=12275","title":{"rendered":"Gru\u00dfwort von Europa-Staatsminister Michael Roth anl\u00e4sslich des Internationalen Holocaust-Gedenktages am Denkmal f\u00fcr die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #ff0000;\">Berlin:<\/span><\/p>\n<p>Gru\u00dfwort von Europa-Staatsminister Michael Roth anl\u00e4sslich des Internationalen Holocaust-Gedenktages am Denkmal f\u00fcr die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma<\/p>\n<p>&#8212; es gilt das gesprochene Wort &#8212;<br \/>\nHeute haben sich wieder viele Freundinnen und Freunde, Mitstreiterinnen und Mitstreiter am Denkmal f\u00fcr die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma versammelt. Das freut mich sehr! Einen m\u00f6chte ich ganz besonders begr\u00fc\u00dfen: Zoni Weisz. Ich erinnere mich noch gut an Ihre sehr pers\u00f6nliche und aufw\u00fchlende Rede, die Sie heute vor acht Jahren anl\u00e4sslich des Holocaust-Gedenktages im Deutschen Bundestag gehalten haben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.frankensicht.de\/?attachment_id=1235\" rel=\"attachment wp-att-1235\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1235\" src=\"https:\/\/www.frankensicht.de\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/stop.png\" alt=\"\" width=\"274\" height=\"258\" \/><\/a><\/p>\n<p>Damals haben Sie eindr\u00fccklich erz\u00e4hlt, wie Sie als siebenj\u00e4hriger Sinto Diskriminierung, Entrechtung und Verfolgung erlebt haben.<br \/>\nNur knapp entgingen Sie damals selbst der Deportation. \u201eIch war allein. Als Kind von sieben Jahren hatte ich alles verloren und fiel in ein tiefes Loch.\u201c Was kann es schlimmeres geben, meine Damen und Herren?<br \/>\nZoni Weisz hat uns seine Geschichte erz\u00e4hlen k\u00f6nnen. Jeder, der einmal einem Holocaust-\u00dcberlebenden zugeh\u00f6rt hat \u2013 fassungslos, erschrocken, ber\u00fchrt \u2013 wird mir zustimmen: Das vermag kein Buch, kein Film, kein Theaterst\u00fcck zu vermitteln. Wir k\u00f6nnen so dankbar sein, dass sie uns, solange sie es noch k\u00f6nnen, an die grausame Wirklichkeit des Holocaust erinnern.<br \/>\nDer heutige Tag ist aber auch ein Tag der Spurensuche: 500.000 Sinti und Roma wurden in der Zeit des Nationalsozialismus grausam ermordet oder sie starben an Hunger, Entkr\u00e4ftung, Krankheit oder den Folgen der Folter. Das sind 500.000 Lebensgeschichten und Einzelschicksale, die nicht mehr erz\u00e4hlt werden k\u00f6nnen. In vielen F\u00e4llen sind nicht einmal die Namen der Opfer bekannt. Wer waren sie? Welche Spuren haben sie hinterlassen?<br \/>\nEs schmerzt mich, dass der V\u00f6lkermord an den Sinti und Roma in der breiten \u00d6ffentlichkeit weiterhin viel zu wenig bekannt ist. Wir sprechen deshalb zu recht immer noch vom \u201evergessenen Holocaust\u201c. Das Mahnmal, vor dem wir heute stehen, ist aber nicht nur Mahnmal gegen das Vergessen. Es soll uns auch ein Auftrag f\u00fcr die Zukunft sein.<br \/>\nDieses Denkmal mahnt uns, unserer Verantwortung auch heute und morgen gerecht zu werden. Unsere Geschichte ist uns Verpflichtung, \u2013 nicht nur in Deutschland, sondern weltweit \u2013 gegen Hass und Ausgrenzung, gegen Intoleranz und Rassismus, gegen Diskriminierung und Stigmatisierung einzutreten.<br \/>\nViele Vorurteile, die die Nationalsozialisten mehr als ein Jahrzehnt lang kr\u00e4ftig gesch\u00fcrt hatten, sind auch mehr als sieben Jahrzehnte sp\u00e4ter immer noch nicht ganz verschwunden. Oftmals stehen die Sinti und Roma diesen Stereotypen wehrlos gegen\u00fcber. Manchmal ist es nur Gedankenlosigkeit, Nachl\u00e4ssigkeit oder Desinteresse, die dazu f\u00fchren, dass Sinti und Roma mit abf\u00e4lligen \u00c4u\u00dferungen bedacht werden.<br \/>\nOft ist es aber auch B\u00f6sartigkeit und bei t\u00e4tlichen Angriffen sogar blinder Hass, der ihnen entgegenschl\u00e4gt. Dazu kommen deutlich schlechtere Startchancen in der Gesellschaft, in der Schule, auf dem Arbeitsmarkt, im Gesundheitssystem. Das muss sich dringend \u00e4ndern! Vor allem: Wir m\u00fcssen uns \u00e4ndern \u2013 jede und jeder Einzelne muss sich best\u00e4ndig pr\u00fcfen und Vorurteile, antiziganistische Pr\u00e4gungen aus seinem Denken und Wortschatz tilgen.<br \/>\nAber es gibt auch Lichtblicke: Besonders freue ich mich, dass mit dem Europ\u00e4ischen Roma Institut for Arts and Culture \u2013 ERIAC \u2013 hier in Berlin ein Ort geschaffen wurde, um die Kultur der Sinti und Roma zu pflegen und sie einer breiten \u00d6ffentlichkeit n\u00e4her zu bringen.<br \/>\nEbenso vom Ausw\u00e4rtigen Amt gef\u00f6rdert wird das RomArchive, das vor einigen Tagen feierlich er\u00f6ffnet wurde: ein internationales digitales Archiv f\u00fcr Kunst der Sinti und Roma. Es richtet sich nicht nur an Europas gr\u00f6\u00dfte Minderheit, sondern vor allem auch an Europas Mehrheitsgesellschaften. Auf diese Weise will das Projekt den hartn\u00e4ckig bestehenden Vorurteilen und Stereotypen entgegentreten.<br \/>\nDankbar bin ich unserem Bundespr\u00e4sidenten, der am Dienstag erstmals zu einem Abend ins Schloss Bellevue einlud, in dessen Mittelpunkt Kunst, Literatur und Musik der europ\u00e4ischen Sinti und Roma stand. Was f\u00fcr ein sch\u00f6ner, wichtiger Abend! Wir brauchen n\u00e4mlich Beides: Erinnerung und Gedenken an den V\u00f6lkermord und seine Opfer.<br \/>\nAber eben auch positive Geschichten und Vorbilder. Es ist nach wie vor notwendig, \u00fcber Diskriminierung und Ausgrenzung zu sprechen. Aber lassen Sie uns eben auch erz\u00e4hlen, wie Sinti und Roma unsere Gesellschaft bereichern und inspirieren. Lassen Sie uns stolz sein auf diejenigen, die in der Kultur, in den Medien, der Wirtschaft und der Politik ihren Beitrag leisten. Es sind immer noch viel zu wenige. Ich bin dankbar, dass inzwischen Roma f\u00fcr das Europ\u00e4ische Parlament kandidieren und hoffentlich auch bald erfolgreich f\u00fcr den Deutschen Bundestag. Sinti und Roma geh\u00f6ren zu uns. Und wir sind dankbar daf\u00fcr.<br \/>\nIch w\u00fcnsche mir, dass uns die heutige Gedenkstunde Mut macht, gemeinsam an einer Gesellschaft der Vielfalt und des Respekts zu arbeiten. Hass, Ausgrenzung und Intoleranz haben bei uns keinen Platz! Das schulden wir unserer Geschichte. Das schulden wir uns selbst. Das schulden wir den 500.000 Sinti und Roma, die dem Holocaust zum Opfer gefallen sind.<\/p>\n<p>Quelle:auswaertiges-amt.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin: Gru\u00dfwort von Europa-Staatsminister Michael Roth anl\u00e4sslich des Internationalen Holocaust-Gedenktages am Denkmal f\u00fcr die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma &#8212; es gilt das gesprochene Wort &#8212; Heute haben sich wieder viele Freundinnen und Freunde, Mitstreiterinnen und Mitstreiter am Denkmal f\u00fcr die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma versammelt. Das freut mich sehr! 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